Paul’s Diary – Es war ein richtiges Abenteuer!

Paul’s Diary – Es war ein richtiges Abenteuer!
November 27, 2010 Lainie Liberti

Das Boot

If you read German, we hope you will enjoy these entries from Paul’s Diary, written about his 1 1/2 month adventure building a boat to travel down the Usumacinta River in Mexico.

If you haven’t listened to Podcast #14-Swashbuckling Tales of Carnage, Adventure & Love!, where Lainie interviews Paul about his journey,  please [click here] to listen to the interview.

Ich war 28 Tage in Frontera Corozal, dem Dorf, in dem ich mein Boot gebaut hab. Am Anfang haett ich nicht dran geglaubt, aber ich hab es echt geschafft mir ein Boot zu bauen. Ich habe die ganze Zeit bei einer superarmen Familie gelebt. Bei Juan und Marta und den Soehnen Misael, Jonathan, Juan David und Moises.

Der Plan war zu Beginn zu den Ruinen von Yaxchilan zu fahren, aber schnell hatte ich mich entschlossen, bis zum Golf von Mexiko zu fahren. Das ging aber nicht, weil es hinter dem Dorf Desempeño einen riesigen Strudel gibt, den man nur mit sehr starkem Motor passieren kann. Da mein Boot nur die Kraft des Flusses nuzt, um Vorwaerts zu kommen, waere die Gefahr von dem Strudel unter Wasser gezogen zu werden zu gross. Ausserdem gibt es vor Tenosique einen Wasserfall, der das Ankommen wohl unmoeglich machen wuerde. Also war der Plan, bis nach Desempeño zu fahren, dort ein Auto zu suchen, um das Boot nach Tenosique zu bringen, von wo aus der Usumacinta keine Probleme mehr machen sollte. Mit mir kam ein Mann aus Nicaragua, sein Name war Moises. Er versuchte, wie viele ohne Papiere in die USA zu kommen. Allerdings gibt es auf der Strasse die von Frontera Corozal nach Palenque fuert, viele Kontrollen von Polizei und Armee. Deswegen war er schon ueber 2 Monate in Frontera und da es dort auch keine Bank gibt, ist ihm auch das Geld ausgegangen. Also hab ich ihn mitgenommen. Nach Tenosique wollte er, denn da gibt es einen Gueterzugbahnhof. Er wollte es wie beim ersten Mal machen und von Zug auf Zug springen. Beim lezten Mal hat er so einen Monat durch Mexiko gebraucht.

Es war ein richtiges Abenteuer!

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16.02.2010

2. Tag auf dem Boot

Es war ein schwerer Abschied gestern.

Das Boot sucht sich den Weg durch den Usumacinta.

Schon cool auf einem selbst gebautem Boot auf dem Usumacinta treibend Tagebuch schreiben. Ich hab tatsaechlich geschafft was ich schaffen wollte. Ich bin per Anhalter in einem Ort im mexikanischen Jungel angekommen, hab mir aus dem Nichts ein Boot gebaut und bin zu den Mayaruinen von Yaxchilan getrieben. Das Boot ist einfach unglaublich und noch ist alles ganz.

Einige Minuten, nachdem ich gestern aufgehoert hab zu schreiben, hatten wir das Boot schon voll beladen und vom Ufer gestossen. Zuerst bin ich zu Marta, die extrem angefangen hat zu weinen und sogar Juan hat, als ich zu ihm bin, die Traenen nicht halten koennen. Auch ich hab angefangen zu weinen. Es war wahrscheinlich der schwerste Abschied meiner Reise bisher. Ich hab noch Moisesito einen Kuss gegeben und wollte gehen, in dem Moment kam Juans Mutter und Elsa. Auch die beiden haben sich von mir verabschiedet und mir Gottes Segen gewuenscht. Es war wieder ein Tag so voller Erlebnisse, das ich bestimmt wieder vieles vergessen werde aufzuschreieben.

Nach 20 Minuten haben wir sogar nochmal Christobal, Juans Bruder auf seiner Lancha im Fluss treiben sehen. Alle Touristen, die vorbeifahren, machen Fotos von mir und dem Boot. Wir sind um 9:15 Uhr los und waren schon um halb zwei in Yaxchilan. Es war unmoeglich per Ruder an Land zu kommen. Gluecklicherweise waren grad einige Lancheros dort und einer war so gut und hat uns an Land gezogen. Auf dem Weg nach Yaxchilan kamen wir an einem toten Pferd vorbei, das aufgeblaeht im Wasser trieb und etwa 10 Geiern, die schon angefangen hatten daran zu picken. 4 Stunden bis nach Yaxchilan, sehr gut. 98 Pesos Eintritt fuer Moises und mich. Die Ruinen sind eigentlich nicht so beeindruckend, mehr die Lage. Purer Jungel, keine Menschen und wir hatten sogar das Glueck die Bruellaffen aus weniger als 5 Metern Entfernung zu sehen und sie haben sogar gebruellt. Ganz schoen laut sind die kleinen Kerle. Nach Yaxchilan sind wir nur noch etwa eine halbe Stunde flussabwaerts getrieben, bevoer wir auf guatemaltekischer Seite angelegt haben, um zu kochen und schlafen zu gehen. Wir haben uns Reis mit Eiern und Chili gemacht, die Nacht war auch ok. Am Morgen wurden wir von den Bruellaffen geweckt. Gleich zwei oder drei Minuten, nachdem wir los sind, lag wieder ein totes Pferd oder eine Kuh im Fluss, zur Freude der Geier. Heute sitzen wir in einem Karussel. Es ist ein richtig wilder Fluss. Wir haben heute insgesammt nur drei Lanchas gesehen. Wir sind in der absoluten Wildnis. Hier gibt es Nichts , keine Menschen, gar Nichts, nur pure Wildnis. Die Stille kann man fast anfassen. Es ist so unglaublich leise. Ab und zu hoert man ein paar Voegel zwitschern oder einen Adler schreien. Witzig, grad wo ich ueber die Stille schreib, fangen die Bruellaffen wieder mit ihrem Konzert an. Wir machen uns auch den Spass. Es schallt hier besser als in einem Tunnel; wir bruellen also und machen dumme Geraeusche,  die noch drei Sekunden nachschallen. Ploetzlich fanden wir diesen sehr schoenen “Strand”, gepaddelt wie die Bloeden haben wir, um da anzulegen. 2 Stunden waren wir da. Wieder Guatemala. Diesmal haben wir uns Reis mit Kartoffeln gekocht. Dazu gabs Chilischoten und Fisch, zum Nachtisch Birne und Plaetzchen. Etwa eine halbe Stunde haben wir auf dem Sand geschlafen und sind weiter. Extrem viele Strudel und Steine heute, den ganzen Tag drehen wir uns schon im Kreis, wie auf dem Rummel. Wir sind auf einigen Abschnitten extrem schnell unterwegs. Der Fluss bildet einige reissnede Stromschnellen, aber das Boot hat bisher alles gut gemeistert. Nach sehr vielen Stromschnellen und schnellem Wasser, kommen wir in ein Stueck ruhiges Gewaesser, auf guatemaltekischer Seite ist wohl gerade der schoenste Platz auf Erden vor uns aufgetaucht. Wir paddeln wieder, kommen an Land, zurren das Boot in einer kleinen Bucht fest. Wilkommen im Paradies. Wie kleine Kinder freuen uns und rennen ueber den Sand, machen Saltos und Purzelbaeume. Wir schreien in die Stille hinaus! Nichts, nur unser Echo. Es ist so extrem leise, man kann es nicht beschreiben. In dem Stueck ruhigem Wasser wimmelt es von Fischen. In der Stille hoert man jeden Einzelnen aus dem Wasser springen. Wir wollen fischen aber leider haben wir unsere Kordel bei Juan vergessen. Also machen wir uns eine Suppe mit Nudeln, Ei, Tunfisch und Kartoffeln. Beim Holz machen hallt jeder Schlag der Machete noch einige Sekunden nach. Es ist soo leise! Die Welt gehoert uns.

17.02.2010

“3. Tag auf dem Boot”

Also so richtig auf dem Boot waren wir heute nicht. Uns gefaellt es in unserem kleinen, unberuerten Paradies so gut, dass wir beschlossen haben einfach noch einen Tag hierzubleiben. Wir haben in meinem Zelt geschlafen, es war sehr gut, auf dem Sand zu schlafen. Auch zu zweit war es ueberhaupt kein Problem im Zelt. Am Morgen bin ich vom Gesang der bunten, schoenen Voegel hier wach geworden. Wir haben uns gleich ans Holz machen gemacht. Wir lachen uns ueber die nachschallenden Schlaege der Macheten halb schief; es ist einfach so unglaublich leise und hier gibt es weit und breit gar nichts. Es ist wie in einem Film. Ein selbstgebautes Boot und dann zu Ruinen gefahren. Dort wars ja auch krass, nichts war abgesperrt, alle Gebeude offen. In einem fuehrten unterirdische Gaenge bis auf die andere Seite eines Huegels. Moises hatte Streichhoelzer dabei und wir sind so mit der winzigen Flamme durch die finsteren Gaenge der Ruinen gelaufen, in denen es von Fledermaeusen gewimmelt hat. An einer Stelle, als Moises meinte es ginge nicht mehr weiter, konnte ich einige Stufen erkennen und bin vorgerannt, die Treppe hoch und konnte Tageslicht erahnen, da kam eine Fledermaus um die Ecke geflogen und krachte in meine Schulter. Nach etwa 2 Sekunden hat sie sich wieder abgestossen und ist zurueckgeflogen.

Dann diese “Insel” auf der wir jetzt schon 2 Tage sind und morgen machen wir die Geschichte vielleicht richtig filmreif. Alle Leute haben uns vor Chico Zapote gewarnt. Heute kam ein Boot vorbei. Ein Boot, sonst haben wir keine Menschen gesehen. Wir waren grad am Mittag essen, da hab ich sie beigewunken. Das Boot war voll mit reichen Touristen, die nach Piedras Negras gefahren werden und dafuer 450 Dollar bezahlen. Ich hab eine Kordel zum Angeln angefordert und der Bootsmann hat versprochen auf dem Rueckweg eine mitzubringen. Die Touristen haben ihre Muender nicht mehr zubekommen. Zum Essen hatten wir Bohnen mit Tortillas, Ruehrei, Mais und Karotten. Dann haben wir uns aus unserem Moskitonetz ein Fischernetz gebaut, sind mit meinem Boot ein Stueck rausgefahren und wollten Fische fangen, aber es hat ueberhaupt nicht funktioniert. Wir haben dann also noch mehr Holz gemacht, ich hab alle meine Poomsen durchgelaufen, war ein bisschen schwimmen und dann kam die Lancha wieder zurueck. Die zwei Maenner hatten tatsaechlich einen Kordel fuer uns dabei und ein paar Hacken. 72 Pesos hat das gekostet. Sie fragten uns ob wir uns sicher seien, dass wir mit meinem Boot heil durch Chico Zapote kommen und uns vorgeschlagen uns auf deren Lancha das Stueck flussabwaerts mitzunehmen, damit wir uns Chico Zapote ansehen koennen. Im ersten Moment waren wir ziemlich geschockt, was wir da vor uns sahen, aber als wir mit der Lancha durchwaren, meinte ich gleich, dass mein Boot das schaffen wird. Moises war nicht so der Meinung, was auch ganz klar sein Gesichtsausdruck verriet. Jedenfalls haben uns die zwei Maenner zurueckgebracht, wir haben uns sehr herzlich bedankt und waren wieder allein. Wir beschlossen nochmal zu Fuss zu Chico Zapote runter zu laufen und uns das ganze genauer und von oben zu betrachten. 30 Minuten brauchen wir vom Camp zu Chico Zapote. Wir haben den Fluss sehr gut studiert, sehr viel Zeit damit verbracht, Aeste an verschidenen Stellen in den Fluss zu werfen, um zu sehen wie die Stroemung das Boot durch die Stromschnellen und zwischen den Steinen durchschieben wuerde. Auf dem Weg zurueck beschlossen wir, dass wir unser ganzen Gepaeck bis hinter Chico Zapote tragen werden. Ich werde dann den ganzen Weg zurueck laufen und es mit dem Boot versuchen. An das Seil binden wir einen Stock, den ich, sobald ich es durch Chico Zapote geschafft hab, ans Ufer zu Moises werfen werde, damit er das Boot stoppen kann. Danach solls zusammen weiter gehen. Das ist also der Plan fuer morgen. Ich hoffe der Herr wird uns bewahren. Als wir zurueck waren, war es wie verhext. Keine Fische mehr, die aus dem Wasser sprangen. Vergeblich waren also unsere Angelversuche mit der neuen Kordel. Also hat Moises Pommes gemacht, mit Tunfisch und Ei. Ich mag ihn. Am Anfang wollte ich ihn gar nicht mitnehmen. Jetzt bin ich aber froh, dass ich ihn dabei hab. Er verbluefft mich jeden Tag. Erst bei den Ruinen, wo er sich sehr fuer alles interessiert hat und alles durchgelesen hat was es zu lesen gab. Dann hat er ein Buch dabei ueber die Geschichte Europas, das wir aber schon halb aufgeloesst haben, denn wir benutzen die Seiten, um unsere Feuer zu starten. Heute hab ich sogar in seinem Rucksack ein Kinderbuch ueber die Geschichte von Jesus gesehen und zum Essen haben wir beide Gott gedankt. Auch beim Arbeiten, also beim Rudern, falls wir mal rudern muessen, verstehen wir uns sehr gut. Das das mit dem Boot so gut gehen wuerde, haette ich nie gedacht. Es folgt immer der Stroemung, sogar durch die Kurven. Nur ganz selten muessen wir rudern, dann wenn uns die Stroemung in stehendes Wasser drueckt. Dann muessen wir sehen, dass wir wieder in die Stroemung kommen. Jetzt sizren wir beide satt und zufrieden am Feuer. Besser gesagt ich liege und schreibe. Er sizt nur da und denkt nach. Gleich spielen wir noch ein, zwei Runden Karten und gehen zu Bett. Morgen wirds dann ganz schoen aufregend.

18.02.2010

4. Tag auf dem Boot

Chico Zapote

Ich bin frueh aus dem Zelt, hab mein Glueck beim Angeln versucht, als es gerade angefangen hat hell zu werden. Hunderte von Fischen sprangen staendig aus dem Wasser, an den Hacken hab ich aber keinen bekommen. Spaeter kam Moises dazu, der es dann auch versucht hat, aber Nichts. Also beschloseen wir alles zusammen zupacken und hinter Chico Zapote zu tragen. Wir hatten also das Camp schnell aufgeloest, haben alles aufgeraeumt, um den schoenen Strand auch genau so schoen zurueckzulassen, wie wir ihn gefunden haben und sind los. Die bescheuerte Reisetasche, die ich gekauft hab, ist sowas von unpraktisch zu tragen. Eben nicht fuer die Berge gemacht und um auf Felsen zu klettern. Ueber eine Stunde sind wir am Fluss entlang geklettert, um dann festzustellen, dass ein riesiger Erdrutsch, den ganzen Hang verschwinden lassen hat. Unmoeglich fuer uns irgendwie weiter zu kommen. Um uns rum nur Felsen und dieser Abhang, vor uns der tobende, reissende Strom. Wir stehen beide nur da und starren in die Wassermassen; keiner sagt etwas. Etwa 3 Minuten. Ich beschliesse meine Meinung zu sagen. Das wir zurueck gehen sollten und einfach beide im Boot, ganz normal weiter fahren, da Chico Zapote kein Problem fuer mein Boot sein sollte. Zurueck gehen muessen wir sowieso, das weiss auch Moises, aber mit dem Boot will er auf keinen Fall durch Chico Zapote fahren. Er denkt, es wird brechen, wir werden gegen die Felsen geschleudert und drauf gehen. Es faengt an zu regnen. Die Stunde zurueckklettern war die reinste Quaelerei. Die schmalen Tragebaender der Tasche wollen sich ins Fleisch meiner Schultern schneiden, die 20 Kilo ziehen, der Regen macht die Felsen und teilweise losen Gesteinsbrocken zu glitschigen Feinden. Ueber eine Stunde brauchen wir, um zurueck zum Boot zu kommen. Moises will warten, auf eine Lancha und damit Chico Zapote ueberqueren. Ich soll das Boot rueberschaffen, falls es in die Brueche geht, koennen die mich mit der Lancha einsammeln. Ich sag noch, dass es vielleicht zwei Tage dauert, bis eine Lancha vorbeikommt, da hoeren wir ein Motorengeraeusch. Ein Boot kommt, haellt an, es ist voll mit Leuten aus El Salvador, Honduras usw. Sie werden nach Desempeño gebracht. Wir erzaehlen von unserem Plan. Auf dem Boot ist noch Platz fuer eine Person. Die Leute finden es witzig, vor allem die vier Bootsmaenner, vor allem nachdem sie mein Boot gesehn haben. Wir schaffen alles rueber, Moises steigt auch rueber. Ich werde von unserem Strand in meinem Boot bis in die Mitte des Flusses gezogen. Dort trennen wir die Boote wieder. Jetzt bin ich allein. Chico Zapote vor mir, das Boot mit Moises etwa 300 Meter hinter mir. Mein Boot wird schneller und schneller und ziemlich schnell wird mir klar, dass mein Boot direckt auf die schlimmste Stelle zurast. Noch ein schnelles Stossgebet, das Boot dreht sich und kracht rueckwaerts in die Wassermassen. Aber das Boot ist echt der Hammer, nicht mal Wasser ist reingelaufen, alles ganz. Die anderen kommen. Moises steigt wieder zu mir rueber strahlend, alle sind begeistert. Viele Menschen sind Chico Zapote schon zum Opfer gefallen, wir haben es geschafft. Das Boot mit den Fluechtlingen verlaesst uns, ich schreie Freuderufe in den Jungel. Der Fluss wird ruhiger, nur noch selten Stromschnellen. Wir treiben ganz dicht an riesigen, steilen Felswaenden vorbei, beobachten Leguane, atemberaubend! Nur noch selten gibt es Strand. Wir wollen aber unbedingt wieder eine “Spielwiese” haben und das Schlafen auf dem Sand hat uns auch besser gefallen als in dem Boot. Als wir ein geeignetes Stueck Sand finden, rudern wir wieder wie die Verrueckten, aber die Stroemung ist zu stark, wir werden weit weg vom Strand getrieben, kommen den Felsen sehr nah, ich versuche, das Seil, an dessen Ende wir einen Stock gebunden haben in die Felsen zu werfen und hoffe, dass es haengen bleibt und das Boot stopt. Klappt nicht. Moises versucht es irgendwie mit seinem Ruder und verliert es. Da springe ich mit dem Seil in der Hand vom Boot auf die Felsen, finde Halt und kann das Boot stoppen. Wiedermal filmreif :-). Ich ziehe das Boot also wieder gegen die Stroemung zurueck, Moises sorgt dafuer, dass das Boot wegbleibt von den Felsen. Eine extrem anstrengende Aktion die bestimmt 20 min. gedauert hat. Grade als wir an dem Sandstueck ankommen, kommt das Boot mit den 4 Bootsmaenner, die die Fluechtlinge in Desempeño rausgelassen haben zurueck und stoppen wieder. Wir unterhalten uns eine halbe Stunde. Sie erzaehlen uns, dass unser gewaehlter Schlafplatz nicht gut sei, da es hier im Wald von Banditen mit Gewehren wimmelt, die alles und jeden stehlen und toeten. Und sie erzaehlen uns von diesem anscheinend wunderschoenen, riesigem Strand in Flussmitte, eine Insel ca. 40 min. flussabwaerts. Fuer uns klingt das gut. Wir tauschen noch Fischerhacken aus, Grosse gegen Kleine, werden in Flussmitte gezogen. Wir bedanken uns herzlich und verabschieden uns. Jetzt ist es schon nach vier, hoffentlich kommt dieser Strand bald, denn Haeuschen aufbauen, Feuer machen und kochen dauert eine Weile. Halb sechs, sechs wirds richtig dunkel. Wir treiben also und warten. Auf beiden Seiten kommen Fluesse dazu und fallen in kleinen Wasserfaellen in den Usumacinta. Die Haenge sind steil, der Fluss aendert sich, wir kommen um eine Kurve und da sehen wir ploetzlich die riesigen Sandduenen und den wunderschoenen Strand, von dem die Maenner gesprochen haben. Erst glauben wir, wir koennen es schaffen, aber der Fluss ist breit an dieser Stelle. Wir paddeln und paddeln, rudern ohne Aufzuhoeren. Die Anstrengung ist extrem, aber wir rudern weiter bis uns entgueltig klar wird, dass wir gegen die starke Stroemung nicht ankommen koennen, erst recht, als uns die naechste Rechtsbiegung noch weiter vom Strand wegtreibt. Da sehen wir auf mexikanischer Seite einen flachen Auslaeufer und sehen es als lezte Chance noch einen geeigneten Platz zum Schlafen zu finden. Wir paddeln also wieder, wo wir noch Kraft hernehmen weiss ich nicht. Den ganzen Tag hatten wir nur Brot und Kekse. Irgendwie schaffen wir es naeher ans mexikanische Ufer zu  kommen. Mein Gefuehl sagt mir das hier das Wasser vielleicht nicht mehr so tief ist, ich springe mit dem Seil in der Hand hinein. Ich kann stehen, wir haben es geschafft, ich ziehe erschoepft das Boot ans Land und lasse mich ins Wasser fallen. Die wunderschoene Insel voller Sand auf der anderen Seite koennen wir gut sehen, leider. Wir sind auf der anderen Seite, zum ersten Mal Mexiko. Unser Strand besteht aus Steinen. Hier ist es im Vergleich zu den anderen Plaetzen an denen wir waren und wo wir haetten sein koennen haesslich. Es ist schon dunkel. Schnell ist das Zelt aufgebaut und ein Feuer gemacht. Wir sind ein wenig enttaeuscht, aber satt, nachdem wir den Topf voll Reis gegessen haben. Ich liege gut, meine Arme spuere ich immernoch. Wie harte, schwere Stoecke liegen sie neben mir. Ich schlafe schnell ein und schlafe gut.

19.02.2010

5. Tag auf dem Boot

Desempeño

Arollo Jerusalem

Was fuer ein Tag. Sehr frueh waren wir schon unterwegs. Ich bin schon vor Sonnenaufgang aus dem Zelt und hab ein paar Bilder gemacht, ein paar Sachen gepackt und ins Boot gebracht. Spaeter kam Moises dazu und schon waren wir unterwegs. Kalt war es heute morgen und erst ging es nur langsam vorwaerts. Ich hatte die Hoffnung, dass wir heute in Desempeño ankommen wuerden.

Wir waren beide am lesen, Moises sein Geschibuch und ich das Briefchen der Tae Kwon Do – Maedels fuer Februar, als wir immer schneller und schneller wurden; wir haben es beide nicht gemerkt, der Fluss war voller grosser Felsen. Ploetzlich schreit Moises: ” Oh shit!!” Eine Sekunde spaeter krachten wir mit voller Geschwindigkeit seitlich in einen Felsen und blieben in einem etwa 30 grad Winkel haengen. Die Seite auf der ich immer sitze haengt voll im Wasser und lauft schnell voll. Der Fluss drueckt das Boot mit voller Kraft gegen den Felsen, mit beiden Rudern schaffen wir es nicht, das Boot weg vom Felsen zu druecken. Moises wagt sich aus dem Boot und steigt auf den Stein. Wir wissen beide, dass sobald das Boot freikommt, es wie ein Pfeil davon schiesst. Moises hebt es langsam an, ich druecke mit dem Ruder. Es bewegt sich. Geht zur rechten Seite des Felsens, wird ganz schnell sehr schnell. Moises springt aufs Boot, knapp wars, aber gut gegangen. Wieder schreien wir Freuderufe in den Jungel. Wieder sind wir am lesen und langsam unterwegs. Vorbei gehts an den seltsamsten Felsformationen und Lagunen, die zum Uebernachten einladen. Ein Krokodil verschwindet schnell unter der Wasseroberflaeche, als es uns sieht. Ploetzlich sehen wir Menschen am Ufer. Die ersten Menschen am Ufer seit drei Tagen. Wir halten an, hier ist es leicht, der Usumacinta nur langsam und schwach. Wir fragen nach Desempeño und wie weit es noch sei. Die vier Jungs, die gerade am Angeln sind sagen, das wir an Desempeño laengst vorbei sind. Ich bekommen einen Schock, denn in meiner Karte ist Desempeño das lezte Dorf vor dem gefaehrlichen Colo de Diablo, dem riesigen Strudel, den man nicht passieren kann. Aber die Jungs sagen uns, dass sie aus Arollo sind, etwa eine halbe Stunde weiter. Ein Dorf, das es in meiner Karte nicht gibt. Wir fahren weiter, sehen nach einer halben Stunde Frauen am Fluss Waesche waschen. Hier muss Arollo sein, aber es ist unmoeglich hier an Land zu rudern. Wir sind schon so gut wie vorbei am Ort, fuehlen, wie die Verzweiflung in uns hoch kommt, da dreht uns ploetzlich ein Strudel in eine Felsspalte, in der wir gut festmachen koennen. Wir sind angekommen!! Hier wird es auf dem Fluss nicht weiter gehen. Wenn, dann nur auf dem Landweg nach Tenosique und von dort weiter. Es stellt sich heraus, dass Desempeño da ist, wo wir die lezte Nacht geschlafen haben. Es fuehrt nur ein schmaler Pfad vom Fluss ins Dorf und sonst hat der Ort keinerlei Strassenverbindung zur Aussenwelt. Hier in Arollo gibt es die Strasse, die nach Palenque und Tenosique fuert. Wir sind also goldrichtig. Das war dann was. Sehr aufregend, als wir vom Boot hoch die steilen Haenge ins Dorf gelaufen sind. Wie das Dorf wohl sein wird, die Menschen, ob wir ein geeignetes Auto finden werden? Schon die ersten Frauen und Kinder starren uns mit offenem Mund an, vergessen ihre Arbeit und stehen angewurzelt da. Ich hab das Gefuehl, ich bin der erste Weisse, den die je gesehn haben. Wir laufen weiter, finden ein grosses Haus, das grad gebaut wird. Wohl die reichsten Leute hier im Ort, sie haben auch einen Laden, ansonsten ist die Armut hier nicht zu steigern, abgesehen das die hier wohl genug zum Essen haben. Die Leute, mit denen wir sprechen wollen, sprechen fast alle kein spanisch. Nicht mal die Kinder. Also reden wir mit dem Ladenbesitzer. Vor dem Laden steht wenigstens ein grosser Pick Up, er ist zwar kaput gefahren, aber mir gibt das die Hoffnung, das es vielleicht ein Transportmittel gibt. Wir reden mit dem Ladenbesitzer, der gerade das Dach des Neubaus am machen ist. Ein Fahrzeug wie dieses gaebe es nicht mehr, nur sein Bruder haette das einzige Transportmittel hier im Ort. Einen Nissan Pick Up mit dieser bloeden Kabine hinten drauf. Er bringt Lebensmittel aus Palenque und sollte gegen 4 zurueck sein. Es ist erst 11 gewesen. Also vertreiben wir uns die Zeit, indem wir Transformers gucken. Find ich cool, hab ewig schon keinen Film mehr geschaut. Wir sitzen mit 20 Kindern da im Laden. Hier hat nur Nicolas, der Ladenbesitzer einen Fernseher und auch nur, weil er einen DVD – Player hat. Fernsehsignal gibt es hier nicht, Internet gibt es hier nicht, Handy’s auch nicht, kein Empfang. Nicolas erzaehlt es gibt hier im Ort ein Telefon, damit kann man mit Leuten reden, die wo anders sind. Ich bin geschockt. Waehrend dem Film faengt es an zu regnen. Wir haben noch unsere ganzen Sachen im Boot. Wir rennen runter, bringen die Rucksaecke, Schwimmwesten und Macheten ins Haus. Den Rest lassen wir im Boot. Klar hat uns jemand gesehn und weiss jetzt, wo wir das Boot haben. Wir werden staendig von allen Seiten beobachtet. Es gibt hier nur 75 Menschen, klar fallen wir auf, erst recht ich. Waehrend wir Transformers 2 schauen, kommt einer von Nicolas’ Soehnen schnaufend in den Laden gerannt und meint, dass alles weg waere. Wir gehen also wieder runter. Das Boot ist leer. Das Essen finde ich schnell wieder. Ich fragte eine Frau und die meinte, dass sie alles in ihr Haus gebracht haette, um darauf aufzupassen. In einem Eimer trage ich dann alles zu unserem Haus. An jeder Wegecke stehen Menschen wie erstarrt da und starren mich an. Das Moskitonezt finden wir spaeter in eine Hecke geworfen. Die Plastikplane und die Kordel zum Angeln tauchen nicht mehr auf. Wir beenden den zweiten Film, waehrend dem Film sitzen alle Kinder hinter mir und fassen meine Haare und Haut an, zupfen am Bart. Es ist bereits 5 Uhr abends und der Bruder mit dem Auto ist immernoch nicht da. Wir beginnen mit dem dritten Film, da kommt er, mir war gleich klar, dass das Boot niemals auf seinen Pick up passt. Ich hab dann vorgeschlagen, den ganzen Aufbau hinten runterzunehmen,  bis nur noch das Fahrgestell uebrig ist, aber das moechte er nicht, sehr gespraechig war er heute auch nicht und so hat sich heute auch nichts mehr getan. Wie immer heisst es mañana. Wir schauen also Koenigreich der Himmel und gehen danach schlafen.

20.02.2010

“6. Tag auf dem Boot”

2. Tag in Arollo Jerusalem

Zerstoerung des Bootes

Die Nacht im Rohbau war echt gut. Zwar hab ich seit ich Merida verlassen hab, immernoch keine einzige Nacht durchgeschlafen, aber diese Nacht war definitiv die Beste. Zum Fruehstueck bekommen wir Kaffee, Moises holt Plaetzchen aus dem Laden. Wir duerfen uns nehmen, was wir moechten, zahlen werden wir zum Schluss. Beim Fruestuecken kommt Francisco, der Bruder mit dem Auto, in die Stube. 2000 Pesos will er haben fuer den Transport nach Tenosique. Das ist verrueckt und nicht das einzige Problem. Es gibt keine Strasse, die bis runter zum Fluss fuert. Das heisst es ist unmoeglich das Boot hoch ins Dorf zu bekommen. Also haben wir uns entschieden, das Boot komplet auseinander zubauen und in Einzelteilen nach Tenosique zu fahren. Wie Geschaeftsleute sitzten wir an dem Plastiktisch im Rohbau vor der Chiapaskarte und verhandeln ueber den Preis. Ich rechne ihm vor, wie weit es bis nach Tenosique ist und wieviel Sprit er fuer die Stracke brauchen wuerde und erklaere, dass sein Preis nicht in Ordnung ist. Wir kommen runter auf 1500 Pesos, auch das ist noch viel zu viel, aber ich weiss, dass Francisco der Einzige ist, der mir hier weiter helfen kann. Also haben wir uns per Handschlag geeinigt und angefangen, das Problem mit den Soldaten, den Kontrollen und Moises zu besprechen. Nachdem wir die Abfahrzeit ausgemacht hatten, haben wir uns direckt an die Arbeit gemacht. Mit Hammer und Zange sind wir runter zum Fluss, hatten das Boot schnell in Einzelteilen. Ueber 10 Leute sassen einfach nur da auf den Steinen und haben uns zugesehen. Auch beim Hochtragen der Einzelteile zum Haus, kam keiner auf die Idee anzupacken. Im Dorf die Wege voll mit uns anstarrenden Menschen. Also wenn es hier nur 75 Menschen gibt in Arollo, dann hat uns aber mindestens das ganze Dorf zugesehen. Nach der Arbeit haben wir uns eben mit ein paar Soehnen von Nicolas im Fluss gewaschen. Sie waren die einzigen, die geholfen haben. Und der Vater von Nicolas, der schon 75 Jahre alt ist und mit seinem Iron Maidon T – shirt fleissig mit den Brettern die Haenge hochgelaufen ist. Gleich gibts was zu essen, wir werden uns Troja ansehen. Morgen soll es um 5 uhr morgends losgehen. Die Strassen sollen extrem schlecht sein. Moises wird an den Kontrollpunkten meine Kamera um den Hals tragen, damit er aussieht wie ein Tourist. Ich bin sowieso weiss = Gringo = Tourist. Hoffentlich klappt der Plan.

23.02.2010

1. Tag auf dem Boot  Teil 2

Der Fluss ist breit, ruhig und langsam.

Tenosique liegt schon hinter mir. Die Sonne steht schon tief. Ich schaetze mal es wird so gegen 4 Uhr nachmittags sein. Ein Boot ist eben an mir vorbeigefahren und die Wellen lassen meinen Katamaran schaukeln. Ich werde heute versuchen bei Dunkelheit zu fahren, vielleicht die ganze Nacht durch. Vielleicht klappt das ja, mal sehn.

Rueckblick: 20.02. – 23.02.2010

Nachdem wir Troja und 300 gesehen hatten, bin ich nochmal zu der Familie, auf deren Grundstueck wir das Moskitonetz gefunden haben, um nach der Plastikplane und der Angelkordel zu fragen. Als ich hinkam sass nur einer der Soehne, etwa 12 Jahre alt, mit einem Gewehr in der Hand vor der Haustuer. Bisschen mulmig wars mir da schon. Weder Plane, noch Kordel will er gesehen haben, ich hab nicht weiter gefragt, bin zurueck zum Haus und schnell eingeschlafen. 21.02.2010 – Um viertel nach vier morgends hubt jemand wie bescheuert eine ganze Minute lang, um uns aufzuwecken. Natuerlich wurden wir wach und schon um halb 5 waren wir unterwegs. Francisco ist gefahren. Moises und ich sassen vorne und Nicolas, der auch mitkam, war hinten drin bei dem ganzen Holz. Die Strasse raus aus Arollo war schrecklich. Wir haben einundhalb Stunden gebraucht, um zu der asphaltierten Strasse, die nach Palenque fuehrt zu kommen. 5 Mal bin ich bereits durch Reforma gefahren, wo es den Soldatenstuetzpunkt gibt. Niemals habe ich gesehen, dass ein Auto angehalten wurde oder irgendetwas kontrolliert wurde. Das 6. Mal, jetzt war Moises an Bord. Auch Francisco meinte, dass hier niemals kontrolliert wuerde. Wir kamen um die Kurve und sahen eine Schlange Autos. Eins nach dem Anderen wurde kontrolliert. Mir ging schon der Herzschlag ganz schoen hoch, wie muss sich erst Moises gefuehlt haben. Wir waren dran. Alle mussten aussteigen, die Taschen von Moises und mir wurden durchsucht. 10 Mal hat man mich gefragt, woher ich komme und nachdem sie schon wussten, dass ich aus Deutschland bin, haben sie noch 5 mal gefragt, ob ich aus Deutschland bin. Moises wurde nur einmal nach der Herkunft gefragt und anscheinend glaubten die Soldaten, dass er, wie er sagte, aus Frontera Corozal sei. Das das Holz im Pick Up ein Boot sein sollte, haben die nicht geglaubt, bis Moises ihnen die Bilder in der Kamera gezeigt hat. Sofort hat man uns eine gute Reise gewuenscht und kein einziger Soldat hat nach den Reisepapieren gefragt. Echt komisch. Wir waren jedenfalls sehr gut gelaunt, nachdem wir die Kontrolle ohne Probleme passiert hatten. Und zu unserer grossen Ueberaschung und Freude, gab es keine Kontrolle an der Grenze von Chiapas nach Tabasco. Um 8 Uhr morgends waren wir schon in Tenosique.  Auch hier bei der Einfahrt in die Stadt, war kein einziger Beamter der Einwanderungsbehoerde auf der Strasse taetig und der ganze Laden sah geschlossen aus. Vielleicht weil Sonntag war, keine Ahnung, wir konnten jedenfalls einfach durchfahren. Schnell hatten wir den Fluss gefunden, den wir vor der Stadt schon auf der Puente Boca de Cerro ueberquert hatten. An einem Haus, das direkt am Hang zum Fluss war, haben wir um einen Platz fuers Holz und fuer uns zum Schlafen gefragt und auch gleich bekommen. Bei einem alten Ehepaar, das mit ihren beiden Toechtern lebt, konnten wir alles unterbringen und unser Zelt aufbauen. Mit einem Bekannten der Familie sind wir, nachdem wir von 11 bis 1 ein Nickerchen gemacht haben, auf die andere Seite des Flusses gefahren und haben ein paar Staemme Bambus besorgt. Wir hatten ja die Warumbostaemme und das Grundgestell in Arollo ins Wasser geworfen und der Stroemung ueberlassen. Sonst hatten wir an diesem ersten Tag in Tenosique nichts gearbeitet. Wir sind los, um uns die Stadt anzusehen, denn seit weit ueber einem Monat fuer mich und ueber zwei Monaten fuer Moises, war die Zivilisation weit weg. Natuerlich gibt es auch eine Bank in Tenosique und so brach eine heisse Diskussion aus. Ich wollte, dass Moises Geld holte, denn er erzaehlte immer, dass er 10000 Dollar auf seinem Konto haette. Ich hatte alles fuer ihn bezahlt in den lezten Tagen, weil es in Frontera Corozal keine Bank gibt, er dort wegen der vielen Kontrollen gefangen war und ihm so das Geld ausgegangen war. Jetzt wollte ich einfach nur, dass er auch seinen Teil zahlt, was nur fair ist und meinte, dass ich fuer ihn kein Essen mehr kaufen wuerde.

Er muesse seinen Bruder anrufen bla bla bla. Am Abend sind wir in die Kirche gegangen, haben uns in den Park gesezt und den Clowns zugeschaut. Alles war in Ordnung. 22.02.2010 – Frueh am Morgen hab ich mit den Arbeiten angefangen, um das Boot wieder aufzubauen. Moises ging in die Stadt, ich dachte, um vielleicht seinen Bruder anzurufen, aber ganze 5 Stunden hab ich ihn nicht gesehen. Als ich am Nachmittag kurz hoch zum Haus bin, um etwas zu holen (das Boot war schon zur Haelfte fertig), sass er da auf einmal mit irgendeinem typ und fragte unverschaemt, ob das Boot schon fertig waere. Seinen Rucksack hatte er voll gepackt in seiner Hand und meinte er wuerde Waesche waschen gehen und spaeter kommen, um am Boot zu helfen. Ich hab einfach gar nichts gesagt, wir wussten beide das er nicht Waesche waschen gehen wollte und auch nicht mehr kommen wuerde, um zu helfen. Er verschwand mit dem komischen Kerl, der wie ich spaeter erfahren habe, Drogen verkauft, und kam nicht wieder. Das Boot hatte ich komplett bis aufs Dach. Abends bin ich in ein schoenes Restaurant und hab mir einen leckeren Hamburger mir Pommes gegoennt, spaeter ins Internet cafe und schlafen gegangen.

23.02.2010

Zurueck

Vor Mittag hatte ich das Boot schon fertig. Unglaublich, dass ich es alleine in einundhalb Tagen wieder zusammengebaut habe. Waerend ich das Dach am montieren war, konnte ich Moises oben auf dem Hang stehen sehen, wie er mir beim arbeiten zusah. Er hat einmal kurz die Hand gehoben, ich tat aber so, als haette ich ihn nicht gesehn und das war das lezte Mal das ich ihn gesehen habe. Ich bin nochmal ins Internet cafe, hab Geld geholt und Essen fuer die Reise gekauft. Von der Familie, wo ich drei Tage war, hab ich mich schnell verabschiedet. Ich sei jederzeit wieder willkommen, das freut mich. Gegen drei bin ich los und jetzt ist die Sonne schon untergegangen und hat einen wunderschoenen Sonnenuntergang hergezaubert. Mal sehen ob das klappt mit dem schlafen waerend das Boot faehrt.

2. Tag auf dem Boot  Teil 2

Es ist vorbei!

Das war vielleicht was die lezten ca. 15 Stunden. Jetzt liege ich im Schlafsack in der Haengematte von Rubisel und friere immernoch. Das Projekt mit dem Boot hab ich vor ca. 3 Stunden aufgegeben. Es war gestern schon lange dunkel und ich bin gefahren und gefahren und gefahren. Es hat sehr gut geklappt, es war teilweise sogar Schrittgeschwindigkeit. Nur einmal hab ich voll mit der Vorderseite einen Baum gerammt, ging aber alles gut. Ich war muede, wollte aber nicht schlafen, weil es so interessant war. Der Mond hat alles gut ausgeleuchtet. Neben dem Boot sprangen staendig Fische aus dem Wasser. Fledermaeuse flogen vorbei und viele dieser komischen Enten, falls es Enten sind, die dieses graessliche Kraechtsgeraeusch machen. Dann bin ich an der Stadt Usumacinta vorbeigefahren und schliesslich irgendwann eingeschlafen. Als ich am Schlafen war, bin ich in eine scharfe Rechtskurve gekommen, in der ich ganz auf die andere Uferseite abgedriftet bin. Schliesslich hat es leicht gekracht, als ich ans Land gestossen bin und ich bin aufgewacht. Ich kam in einen Strudel, der das Boot immer schoen im Kreis fahren lassen hat. In der Mitte ragte ein Ast aus dem Wasser, den ich alle paar Minuten gerammt habe. So hab ich den Wasserbehaelter ganz hinten auf der linken Seite verloren. Das war derjenige, dessen Griff beim Auseinanderbauen in Arollo gebrochen war. Dem hab ich in Tenosique einen neuen Griff aus Stahl gemacht, hat aber nicht so gut gehalten. Irgendwann hat sich das Boot an dem Ast festgefahren und ich hab bis es hell wurde durchgeschlafen. Als ich weiter wollte, bin ich erst nochmal ein Stueck zurueck gerudert, denn der Wasserbehaelter ist auch die ganze Nacht in dem Strudel im Kreis geschwommen und war noch da. Ich hab ihn eingesammelt, wieder ans Boot gebaut und bin aus dem Strudel rausgepaddelt bis in die Mitte des Flusses. Dann wurde es einfach nur frustrierend, immer schlimmer und schlimmer. Es ging einfach nicht vorwaerts. Das Boot schien zu stehen, staendig musste ich paddeln. Dann ploetzlich eine Insel mitten im Fluss. Das Wasser war zu seicht fuer das Boot, so musste ich bestimmt eine halbe Stunde lang schieben, mitten im Fluss. Es war sau kalt. Die zwei Tage zuvor war es so unglaublich heiss und heute total wolkenverhangen und kalt. Spaeter hat es angefangen zu regnen und es wurde ziemlich windig und noch kaelter. Wellen haben sich gebildet und mein Boot staendig ans Ufer gedrueckt. Ich war nur am rudern. An einem Baum im Wasser musst ich mich abstossen, um den Kontakt zu vermeiden, dabei ist mir mein Ruder gebrochen. Es war fast unmoeglich vom Ufer wegzubleiben. Im Boot stand schon Wasser, weil alle Wasserbehaelter sich umgedreht hatten und so das Boot viel tiefer hing. Die Holzstaemme, an denen ich die festgemacht hatte, waren einfach zu duenn und sie sassen nicht fest genug. Dann hab ich wieder den einen Behaelter verloren, war aber nicht so schlimm,  weil der jetzt eh schon ein Loch hatte und voll gelaufen war. Vorne die beiden hatten einen undichten Verschluss und waren auch schon beide halb voll mit Wasser. Es war unmoeglich gleichzeitig nur mit einem Ruder zu versuchen vom Ufer wegzubleiben und zu schauen, dass meine Tasche und mein Essen nicht unter Wasser stehen. An einer Stelle ist das Boot am Ufer haengen geblieben, so, als ob es keine Lust mehr hatte. Das Einzige, das mir in dem Moment eingefallen ist, war zu schauen, ob ich Leute finden kann, um zu erfahren wo ich bin. Ich bin also aus dem Boot gesprungen und versank bis ueber die Knie im Schlamm. Ich konnte die Fuesse nicht mehr rausziehen und hab beim Versuch fast meine Sandalen verloren. In dem Moment hat es aber richtig angefangen zu regnen und ein schrecklicher Sturm hat sich gebildet, der das Boot weiter geschoben hat. Alles schien schief zu laufen. Zum Glueck hatte ich das Seil in der Hand. Der Sturm war so stark, dass er das Boot vorwaerts geschoben und das Boot mich aus dem Schlamm gezogen hat. Ich sah aus wie ein Schwein und es war schrecklich kalt. Ich habs geschafft mich aufs Boot zu ziehen. Das Dach hat auf einer Seite nachgegeben. Eine Minute spaeter steckt das Boot fest zwischen einem dicken Baumstamm im Wasser und dem Ufer. Es scheint sagen zu wollen: Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr!
Und genauso geht es mir auch. Das Boot steckt fest, ich weiss, ich werd es nicht schaffen, das Boot gegen die Stroemung rauszuschieben, ich will auch nicht. Im Inneren sag ich mir schon: Hier ist Schluss!  Um das Boot wieder herzurichten, muesste ich es nochmal komplett auseinanderbauen und mit neuen Teilen wieder zusammenbauen. Das wuerde bestimmt eine Woche dauern. Ausserdem gibt es hier Nichts, keine neuen Teile. Und vorgestern hab ich mir schon gesagt, dass das das lezte und einzige mal war, dass ich das Boot auseinander und wieder zusammen gebaut hab. Und dabei bleibt es auch. Ich schaffte es diesmal vom Boot aufs Ufer, weil hier viele Wurzeln und Aeste auf dem Schlamm liegen und ich so nicht einsinke. Oben ist der Untergrund fester, aber der Regen macht das steile Stueck zu einer schweren, glitschigen Angelegenheit. Ich erreiche ein Maisfeld, laufe durch, ich bin von oben bis unten voller Matsch, bis auf die Unterhose total durchnaesst. Das Maisfeld ist zu Ende, es gibt eine Schotterstrasse!

Auf der linken Seite kann ich ein Dorf erkennen. Ich will hinlaufen, da seh ich auf der rechten Seite einen Radfahrer kommen, mit einem Paeckchen Zucker in der Hand. Auch ihm sezt der starke Regen und der starke Wind zu. Er haellt neben mir an, was er wohl gedacht hat, bei meinem Anblick. Ich erklaere meine Situation. Er sagt, dass ich warten soll, schon mal meine Sachen aus dem Boot holen soll, er kommt sofort zurueck mit einem Dreirad mit grossem Transportkorb vorne. Ich rutsche wieder den Hang runter zum Boot, steige ein, mit dem Karton voller Essen wieder aus. Rubisel kommt schon, er hohlt den Wasserbehaelter, der noch voll mit Trinkwasser ist. Sein linker Fuss ist total krum und schrecklich verformt. Vor 12 Jahren wurde er von einer Schlange in die Ferse gebissen. Die ganze Wade fehlt, der Fuss ist total krum gewachsen. Ich hab schon meine Probleme, hoch zulaufen und er macht das mit dem krummen Fuss, obwohl er mich gar nicht kennt. Beim 2. Mal hol ich meine Tasche und er die Holzkiste mit Macheten, Kochtopf und Moskitonetz. Wir haben alles in sein Haus gebracht, arme Leute sinds. Er ist der Pfarrer hier. Ich erfahre, dass ich in Pino Suarez bin. Ich darf mich duschen und bekomme einen heissen Kaffe. Der beste Kaffe, den ich je getrunken habe. Ich wollte erst, wenn ich irgendwo angekommen waere, versuchen, die Teile des Bootes und die Sachen, die ich nicht mehr brauche zu verkaufen. Aber als ich gesehen hab, wie arm die hier sind und wie nett die mich aufgenommen haben, hab ich Rubisel gesagt, dass er alle Bretter vom Boot haben kann. Dann hab ich ihnen alles Essen, dass man kochen muss, das ich gestern erst gekauft habe gegeben. Die Frau von Rubisel, Anna Guadalupe, hats erst nicht verstanden, aber spaeter alles so an sich gerissen, als ob sie noch nie so viel Essen gesehen haette. Auch die kleine Tochter Ruth, hat vor Freude gejubelt.

Moskitonetz, Macheten, Kochtopf, alles hab ich ihnen gegeben. Die konnten gar nicht genug danke sagen und haben mir sofort angeboten, dass ich bei ihnen im Haus schlafen kann, in der Haengematte. Wir haben gegessen und danach ist Rubisel runter zum Fluss, um mein Boot zu suchen. Es hat sich geloest und wurde vom Wind auf die andere Uferseite getrieben und gegen einen Baum gedrueckt. Mit Pablo, einem Kerl aus dem Dorf, sind wir dann mit einem Kajak zu dritt rueber gepaddelt, um es zu holen. Das war nicht so einfach bei dem Sturm und dem Gewicht meines Bootes. Wir habens aber ruebergeschafft und dann hatte ich einen schoenen Moment, als ich den Kindern zugesehen hab, wie sie mein Boot auseinandergenommen haben. Endlich war mal was los bei denen, so kam es mir vor. Und wie sie sich gefreut haben ueber die ganzen Wasserbehaelter, das hat mein Herz zum Lachen gebracht. Jetzt im moment ist Rubisel mit Pablo dran, die Bretter beizuschaffen. Ich hab schon meine Schuhe gewaschen und waerme mich auf. Es stuermt und regnet immernoch. Kein Wunder war der Wind nicht gut fuer mein Boot, er war echt heftig; in den Nachrichten hab ich heute Mittag gesehen, dass der Sturm in Veracruz sogar Strassenmasten umgeknickt hat. Rubisel ist gerade mit den ganzen Wasserbehaeltern gekommen. Alle freuen sich und auch hier kennt mich jetzt schon das ganze Dorf. Jetzt ist es endgueltig vorbei!!!

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